"..., denn Skulptur ist noch mehr eine Spielerei als Malerei.

Bei der Skulptur spielen beide Hände eine Rolle, wie bei der Liebe."

Dieses Zitat von Max Ernst ist ein Plädoyer für das Spiel der Hände,

für die spielerische Freiheit der Kunst, die kompromisslos sein sollte,

so wie es die Liebe sein sollte.

Rigoros und kompromisslos  und trotzdem voller Liebe sind die Skulpturen von Maike Gräf.

Auf den ersten Blick erinnern sie an eine Mischung aus

Futurismus, Dubuffet oder Picasso.

Die Formen werden gebrochen, die Figuren in einzelne Facetten unterteilt.

Was dazu führt, dass ihre ursprünglichen Protagonisten zu insektenartigen

Kreaturen mutieren und formal sich ein Spiel mit Perspektiven eröffnet.

Dicke schwarze Linien an den Kanten der Facetten erinnern 

an die Bewegungslinien der Futuristen,

an Duchamps "Akt eine Treppe hinuntersteigend" oder Kandinskys freie 

aufgeladene Kraftlinien  (Umrisslinie eines Rennpferdes mit Jockey losgelöst vom Gegenstand).

Kandinsky war der Ansicht, dass in diesen losgelösten Linien

die Energie beispielsweise eines Rennpferdes gespeichert wäre.

Dementsprechend sind die insektenartigen Figuren

der Maike Gräf mit Energie aufgeladen, die sie übermenschlich machen (vgl. Spiderman).

Die grelle Bemalung, oft mit Neon oder Fluor Farben erzeugen ein Glühen,

dass mich an Comics erinnert,

in denen alles giftige und übermenschliche mit Neonfarben dargestellt wurde.

Extrem Aufgeladen und schonungslos ist das Credo, 

in dem sich die Figuren der Welt präsentieren.

Mit Erektionen und nach weiblichen Geschlechtsteilen schielend

werden sie oft sehr triebhaft dargestellt,

aber trotzdem wohnt so etwas wie eine geheime Religiosität in ihnen ("Anpimmelung").

Sie tragen Duchamps 5. Dimension in sich.

Eine zusätzliche Dimension, nach der er lange suchte.

Er behauptete, dass eine pansexuelle Dimension existiert,  dass jeder Gegenstand eine sexuelle Energie besitzt.

Die Skulpturen von Maike Gräf besitzen diese Energie in Reinform, als Konzentrat,

sie strahlen diese in den Raum wie Laternen der Liebe.



Stefan Rinck